Versicherungskunden erhalten Nachschlag

Bundesgerichtshof und Landgericht Hamburg sprechen Kunden nach Kündigung einer Lebensversicherung höhere Rückkaufswerte zu.

Lebensversicherungen waren lange Zeit der Deutschen liebstes Kind, galten sie doch als sichere Altersvorsorge. Dennoch wird nahezu jede zweite Lebensversicherung vor ihrem Ablauf gekündigt. Hintergrund solcher Kündigungen sind oft finanzielle Schwierigkeiten, durch Scheidung, unvorhergesehener Ausgaben oder Verlust des Arbeitsplatzes.

Nach der Kündigung kommt das böse Erwachen:

Der Rückkaufswert der Versicherung ist häufig deutlich geringer als erwartet. Denn hohe Abschluss- und Vertriebskosten sowie eine nachteilige Kostenverrechnung vernichten oftmals einen Großteil der Einzahl- ungen. Diese Kosten einer Lebensversicherung liegen bei ca. 4-12 Prozent. Wer also eine Lebensversicherung über 100 000 Euro abschließt, hat Kosten von bis zu 12 000 Euro zu zahlen. Die Einzahlungen des Kunden werden zunächst mit diesen Kosten verrechnet, erst danach wird ein Rückkaufswert gebildet. Kündigt der Kunde seine Lebensversicherung also vorzeitig, dann kann der von der Versicherung auszuzahlende Rückkaufswert deutlich unter den Einzahlungen des Kunden liegen. Im schlimmsten Fall ist gar kein Rück- kaufswert entstanden und der Kunde geht leer aus.

Der Bundesgerichtshof hat diese Kostenverrechnung für unzulässig erklärt. Die Versicherer wurden verurteilt, für vorzeitig gekündigte Verträge, die bis zum Jahr 2001 bereits abgeschlossen worden sind, höhere Rück- kaufswerte anzusetzen und mindestens 50 Prozent der Einzahlungen an den Kunden zurückzuzahlen. Für Verträge, die nach dem Jahr 2008 abgeschlossen worden sind, sind nach neuer Gesetzeslage sogar noch höhere Rückkaufswerte anzusetzen.

Jetzt entschied das Landgericht Hamburg (Az. 324 O 1116/07), dass die Vorgabe des Bundesgerichtshofes auch für Verträge gilt, die im Zeitraum zwischen 2001 und 2007 abgeschlossen worden sind. Dieses Urteil, das noch nicht rechtskräftig ist, könnte Grundsatzbedeutung für die gesamte Versicherungswirtschaft erlangen. Denn sollte die Rechtsauffassung des Landgerichtes Hamburg von den oberen Instanzen bestätigt werden, können hohe Nachzahlungen auf die Ver-sicherungen zukommen. Es ist zu befürchten, dass die Versicherungen das Problem aussitzen und auf eine Verjährung der Ansprüche hoffen werden. Kunden, die ihre Lebensversicherungen vorzeitig gekündigt haben, sollten etwaige Nachzahlungsansprüche, die im vier - bis fünfstelligen Bereich liegen können, also frühzeitig geltend machen.


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